Archiv für September, 2013

So, das wars: Gestern Abend habe ich den letzten Blogger aus meiner RSS-Liste und aus meiner Facebook-Timeline herausgenommen. Die IAA und ihre damit verbundenen PR-Auswirkungen haben mir endgültig den Rest gegeben.

Vor etwa einem Jahr noch hatte ich etwa acht Auto-Blogger auf dem Radar, weil ich – auf den ersten Blick – deren Ansätze interessant fand. Im Laufe der Zeit habe ich jedoch einen Blog nach dem anderen aus meiner Abo-Liste gekippt. Zu offensichtlich sind die vorgetragenen Subjektivitäten, es brüllt einem fast in jeder Zeile entgegen, wie verzweifelt der Autor besagter Zeilen irgend einem Marketing-Fuzzi eines Groß-Konzerns mit seinem Beitrag gefallen möchte, damit er bittebittebitte zum Launch des neuen Huzzlfuzz XXL-Klasse mit innenbeleuchtetem Getränkehalter und vollautomatischem Wasweissich-Assistenten eingeladen wird.

Diese seltsame Gier, Weltkonzernen, die äußerst selten das Wohl des Menschen dem eiskalt kalkulierten Profit Vorrang geben würden, gefallen zu wollen, artet eben nachher in „Information“ voller seichter Plattitüden und Subjektivitäten aus. Und dabei begehen Blogger eben den Kardinalsfehler, den bisweilen auch Medienprofis – allerdings meist in der Unterhaltungsbranche – begehen: Zu glauben, der eigenen Ziele und Absichten halber das Publikum da draußen für dumm verkaufen zu können. Das funktioniert ein Mal, vielleicht sogar zwei Male. Doch da beginnt sich bereits Argwohn in der Wahrnehmung des Lesers breit zu machen.

Es wird eben deutlich, dass das Strohfeuer des Bloggertums seinen Flammpunkt hatte und für eine Weile kräftig loderte. Allmählich aber wird den Bloggern offensichtlich klar, wie mühsam das doch ist, dieses Feuer am lodern zu halten. Somit dürfte dem schon bald die Stufe „viel Rauch um Nichts“ folgen. Und warum? Vorrangig weil die Industrie – egal welcher Branche – sich nur für subjektive Lobhuddeleien interessiert. Also ist zu den pflegeleichten und von jeder kritischen Haltung befreiten Bloggern eine echte Liebesbeziehung entstanden. Die einen Bauchpinseln die anderen und bekommen Streicheleinheiten zurück. Was dabei heraus kommt, ist in der Regel alles andere als objektive Information. Aber wen kümmert das schon? Hauptsache die Zahlen der vermeintlichen Reichweite des Amateur-Schreibers stimmen.

Dann ist doch alles bestens, alle sind doch glücklich, oder? Yo, sind sie. Erinnert mich an den Motor-Journalismus der Neunziger Jahre. Das geht so lange gut, bis die eine Seite merkt, dass sie für den aufgebrachten Aufwand (Zeit wie Arbeit) herzlich wenig zurück bekommt. Im Fall der Blogger heißt das allerdings gar nicht entlohnt zu werden. Denn ein funktionierendes Business-Modell, das mit dem Bloggen ein nennenswertes Einkommen erzielt, gibt es in der Praxis nicht.

Während also die eine Seite dieser noch jungen Liebesbeziehung mit wenig Aufwand zu dringend benötigten Streicheleinheiten kommt, wird die andere Hälfte bald Hungers sterben. Klingt das nach Happy End..?

Mir kann es egal sein. Ich habe lange gut vom Journalismus gelebt, habe die halbe Welt bereist, tolle Zeiten in der Formel 1 und dem Motorsport im allgemeinen in einer Zeit erlebt, als das gerade noch so erlebenswert war. Ich hatte die Gelegenheit eine stattlich Anzahl von Supersportwagen flott zu bewegen, das war natürlich auch toll. Und wenn es da etwas zu kritisieren gab, dann tat ich das auch wahrheitsgemäß. Denn meine Glaubwürdigkeit war stets mein Kapital. Das waren nämlich noch Zeiten, als Hersteller solcher Luxusgüter noch fachkundige Meinungen zuließen, angebrachte Kritik respektierten und eben Besserung gelobten.

Wie das heute alles so abläuft, daran möchte ich, ganz offen gesagt, erst gar nicht teilnehmen müssen. Ich war auch nicht auf der IAA. Wozu auch? Diese Industrie bewegt sich seit vielen Jahren in eine Richtung, die ich äußerst bedenklich finde. Ich kann den allermeisten Vehikeln, die da zu sehen waren, absolut nichts abgewinnen. Und die wenigen ECHTEN Innovationen kann ich mir auch in aller Ruhe bei einem Glas Schampus in einem angenehm leeren Schauraum anschauen. Wichtiger noch: Ich kann mir meine eigene Meinung zu dem Gesehenen, eventuell auch fahrtechnisch Erlebten bilden. Und zwar völlig unbeeinflusst.

Dazu brauche ich keine Autoblogger. Ich präzisiere: Ich brauche Autoblogs generell nicht in meinem Leben. So, wie ich mir niemals eine dieser Dufttannen in meinem Auto an den Innen-Rückspiegel hängen würde.

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Am Wochenende öffnete die Internationale Automobil Ausstellung – kurz IAA – ihre Pforten und die Autohersteller investieren mal wieder Millionen, um per visueller Kommunikation ihre Marken dem Verbraucher nahezubringen und die neusten Ausgeburten Ihrer Techniker, Designer und Marketingexperten vorzustellen. Millionen um Verbraucher eines Marktes zu stimulieren, der ohnehin ausgereizt ist. Und ein Markt, der sich – in meinen Augen – mittlerweile wegen immer ähnlicher werdenden äußerlichen Erscheinungsformen und ständig steigenden Motorleistungen – die im kilometerlangen Baustellenfahren und stundenlang Staustehen ohnehin keinen Pfifferling wert sind – allmählich zu Tode langweilt!

Tatsächlich war es mal so, dass die Industrie Trends setzte und die in die IAA-Hallen strömenden Massen nach was auch immer lechzten, was die Hersteller und Importeure auf der IAA ins Scheinwerferlicht stellten. Das war mal so.

Absurde Unterhaltskosten, brutale Wertverluste, ungelöste Infrastruktur-Probleme, was bei stetig wachsender Zahl der Verkehrsteilnehmer automatisch eine Verschlechterung der Lebensqualität für Autofahrer und -besitzer nach sich zieht, hat da noch jemand Lust, sich mit einer solchen Investition (sprechen wir lieber von Geldverschwendung) zu belasten?

Die Frage, ob wir uns noch an einem Auto in seiner ursprünglichen Funktion erfreuen können, also auch der emotionellen Erfahrung des Autofahrens, wie wir das aus der Kindheit mit Vaters Automobil in Erinnerung haben, stellen sich eben immer mehr Menschen. Und da moderne Autos Überladen mit Wegwerf-Technologie sind, deren Bausteine uns immer teurer zu stehen kommen, nämlich einmal bei der Neuanschaffung und ein zweites Mal, wenn der Kram nach gerade mal ein paar Jahren bereits defekt ist, finden immer weniger echte Autoliebhaber ansprechend.

Warum ist es wohl so, dass die Old- und Youngtimer-Szene boomt? Und zwar bei Autos UND Motorrädern? Die Industrie entwickelt an den Menschen, an der Gesellschaft und der realen Situation zeitgenössischer Autobesitzer vorbei, interessiert sich nur für Absatzzahlen. Das Auto ist zu einem Gebrauchsgegenstand der Fortbewegung verkommen und vorwiegend als solches wird es überhaupt noch angeschafft. Doch als solcher muss sich das Auto eben auch in Sachen Wirtschaftlichkeit mit anderen Alternativen messen lassen. Und schneidet dabei immer schlechter ab.

Die Anschaffung und der Unterhalt eines Neuwagens ist mittlerweile eine völlig überteuerte Angelegenheit. Klassiker sind heutzutage nicht nur Anlageobjekt für einige Verwegene, sie sind das sich „rückverlieben“ in das Autofahren in seiner Essenz. Für das Fortbewegen, also die reine logistische Aufgaben, gibt es gerade in den großen Städten genug sinnvollere Lösungen. Doch nichts ersetzt Fahrspaß. Und den vermitteln nun einmal Fahrhilfen nicht. Und auch nicht ausufernde Infotainment-Systeme. Erst recht nicht selbstfahrende Autos!

Die Menschen entdecken allmählich, dass die goldene Ära der Automobilindustrie in der Vergangenheit liegt. Sie schaffen sich für den Preis eines modernen Mittelklassewagens einen Sportwagen, ein nobles Sport-Coupé oder eine Edellimousine aus den Achtzigern oder gar Siebzigern an und erfreuen sich in der Freizeit an diesem Schmuckstück, das zu hegen und zu pflegen sich nicht nur deshalb lohnt, weil ein solches Fahrzeug eher an Wert zulegt, statt ein fortwährendes Loch in den Geldbeutel zu brennen, sondern noch dazu Fahrfreude in seiner ursprünglichen Form vermittelt.

Bin ich ein Schwarzseher, der selber nicht weiß, wovon er da redet? Ich fahre seit Jahren Autos, die mich reizen, die cool sind, die Begehrlichkeiten in mir wecken, wie das die Automobilindustrie mit ihren Ergüssen schon sehr lange nicht mehr schafft. In Deutschland kostet ein 5,7 V8-PS-Monster oder ein nobler Rolls-Royce aus den frühen Achtzigern weniger Steuern, als ein brandneuer Kleinwagen. Und die Versicherungssummen für ein solches Sammlerstücks kostet nur den Bruchteil dessen, was ein Neuwagen allein an Kaskoversicherung kostet. Dazu trifft man immer wieder Gleichgesinnte in beachtlichen Mengen bei den vielen Veranstaltungen überall im Lande und auch dem benachbarten Ausland.

Wer Autos mag, kauft im 21. Jahrhundert keinen Neuwagen, sondern schwelgt in der automobilen Vergangenheit. Ich will nicht behaupten, dass früher alles besser war, doch während wir bei Neuwagen stets im Dunkeln tappen, was Effizienz und Haltbarkeit betrifft, so weiß man bei den Oldies sehr genau, welche Schwächen und Stärken das jeweilige Modell hat.

Ich für meinen Teil habe schon lange kein Neuwagen mehr gesehen, der bei mir echte Begehrlichkeiten geweckt hätte. Ich könnte aber spontan und aus dem Handgelenk eine mittellange Liste von Fahrzeugen erstellen, die ich früher oder später noch anzuschaffen Gedenke. Oldies, natürlich. Etwa einen Rolls Royce für gediegene Ausfahrten. Irrsinn? Viel zu teuer? Und die laufenden Kosten? Mein Tipp: Einfach mal einen Event mit klassischen Automobilen besuchen und mit Menschen sprechen, die die automobile Träume bereits leben. Ich wette, auch du wirst ins Grübeln kommen.