Zum zweiten Mal nach 2012, taten sich deutsche Auto-Blogger zusammen und lobten erneut den “Blogger Auto Award” aus. Gewählt wurden Fahrzeuge aus den Kategorien Minicars, Kleinwagen, Kompaktklasse, Mittelklasse, obere Mittelklasse, Luxusklasse, Sportwagen, Cabrios, Geländewagen, Vans und Elektrofahrzeuge. Schade, wie eine offensichtlich gute Idee schon in der zweiten Auflage an der eigenen Einfallslosigkeit und an Subjektivitäten zu verkommen scheint.


Autohersteller schmücken sich gern mit Auszeichnungen, etwa dem Ergebnis von Leserwahlen der Fachzeitschriften oder Preisen, die von einer Fachjury entschieden und dann öffentlich gefeiert werden. Ich nenne jetzt ganz bewusst keine Beispiele, weil ich seit Kindesbeinen ein gesundes Misstrauen gegen Schiedsrichtertum hege, für mich zählt nur der sportliche Wettbewerb. Deshalb wurde ich ja einst Rennfahrer und nicht, sagen wir, Bodenturner oder Eiskunstläufer.

Dass Printmedien eine aussterbende Spielart der Verbreitung von Nachrichten, Information und Meinungen sind, ist nicht wegzudiskutieren. Die bisherigen Strukturen brechen immer mehr auf und neue Wege, Inhalte zu transportieren, stehen im Wettbewerb. Und zwar sowohl mit den noch überlebenden Printerzeugnissen, als auch untereinander. Blogs von sachlich kompetenten und ihrer Schreibe mitreißenden Autoren, die nur in der Ausnahme nach journalistischen Prinzipien ihren Content erstellen, steigen in der Beliebtheit des lesefreudigen Konsumenten. So auch Blogs über Fahrzeuge aller Art. Daraus ergibt sich die – noch fast durchgehend amateurhafte – Szene der Auto-Blogger.

Nun beglücken uns die Auto-Blogger also auch mit einer der Autoindustrie gewidmeten Auszeichnung. Vermeintlich sollen hier die besten Autos ausgezeichnet werden. Wirklich? Die besten ALLER Autos? Nein, nicht wirklich, ein besseres Beispiel für fragwürdiges Schiedsrichtertum bei solchen Awards gibt es wohl kaum. Denn wer sich einmal durch das Abstimmungs-Ergebnis der 31-köpfigen Jury liest, kommt schnell zu dem Schluß, dass Objektivität nicht alleroberste Priorität war: Nur deutsche Autos sind demnach top, von den Ausnahmen jener spendabler Importeure einmal abgesehen, die Blogger gern und oft mit Testfahrzeugen und Veranstaltungen verwöhnen. Viele ernstzunehmende Kandidaten standen dafür erst gar nicht zur Wahl…

Hinzu kommt, dass nach außen hin jegliche Transparenz, welcher Blogger sich warum für welches Autos aussprach, völlig fehlt. Die 31 untereinander wissen offenbar, wer von ihnen wie die jeweilige Entscheidung pro oder contra einem bestimmten Fahrzeug fällte, den Lesern bleibt das seltsamerweise vorenthalten. Dass jeder einzelne Blogger seine ganz persönliche Wahl für die Öffentlichkeit nachvollziehbar argumentativ darlegt, hätte man eigentlich erwarten können. Denn elektronische Medien eröffnen ja – im Gegensatz zu Printerzeugnissen – den Dialog mit den Lesern. Aber natürlich nur, wenn der Blogger es auch als erstrebenswert erachtet, mal die Hosen herunter zulassen und sich mit der Scihtweise seiner Leser auseinander zusetzen. Da fehlt offenbar der Mehrheit der Mut zur Konfrontation mit dem kritischen Teil der Leserschaft.

Dabei fand ich Anfangs ein Auto-Blogger-Award eine wirklich gute Idee mit Potenzial. D.h., wenn man die Sachkompetenz der Blogger mit koherenten, nachvollziehbaren Entscheidungen der Blogger-Jury untermauert hätte. Wenn ich jetzt aber sehe, wie offensichtlich das Bild aus klar erkennbaren Gründen verzerrt wird, um den einen oder anderen Hersteller besser dastehen zu lassen, als er es objektiv eigentlich verdient hätte, dann katapultiert sich so ein Award selbst in die Belanglosigkeit.

Da wird zum Beispiel der Citroen DS mal eben in eine Kategorie verschoben, in die er nicht hinein gehört, Hauptsache man kann dem leihfreudigen Importeur ein Bonbon gönnen, ohne die – tatsächlich – direkte Konkurrenz (Benz, VW, Audi) zu düppieren.

Die Blogger-Auto-Award-Orga verweist gern auf das seit Jahrzehnten existierende Leserwahl-Preisausschreiben der Fachzeitschrift Auto, Motor und Sport, deren Liste als Vorlage für das eigene Prozedere herhalte. Soso, man kopiert also jene Medien, die man für überholt und wenig neutral hält? Wo bleibt denn da die Revolution, die Auto-Blogger doch so gerne herbeireden?

Ein Vergleich, der ohnehin arg humpelt, denn die Motivation der AMS-Leser liegt ja darin, das als Hauptpreis ausgelobte Auto zu gewinnen, das unter allen Einsendern verlost wird. Man kann den AMS-Lesern somit deutlich mehr Objektivität attestieren, denn die bewerten wenigstens die zur Wahl gestellten Fahrzeuge rein nach den zuvor veröffentlichten Fahrberichten, nach emotionalem Empfinden (wie Erscheinungsbild, Ästhetik und Begierlichkeit) und nüchternem Zahlenmaterial – also Leistungs- und Fahrwerten. Blogger dagegen vergeben Höchstnoten für Autos, die sie zum Fahren vorgesetzt bekamen. Eventuell deutlich bessere Autos, die sie aber nicht in die Finger bekamen, erhalten demnach schlechtere Noten. Subjektiver geht es kaum, das Ergebnis ist folglich völlig wertlos, der Award ein Symbol der Industriehörigkeit der Szene der selbst ernannten „Zukunft der Meinungsbildung“.

Gerade bei den Sportwagen ist das mehr als offensichtlich. Wer jemals das Vergnügen hatte, einen Ferrari 458 Italia zu bewegen, wird niemals den schweren Porsche mit seinem in die Tage gekommenen, wie mit Botox aufgespritzten 60er-Jahre-Design und dem nicht eben allermodernsten PDK-Getriebe vor den Italiener stellen. Schlimmer noch: Der Elfer gewinnt die Sportwagen-Wertung vor Mercedes-Benz SLS und dem Lamborghini Aventador. Erst dann kommen der 458er, Aston Martin Vanquish und Ferrari F12 Berlinetta. Der Bugatti Veyron Vitesse landet sogar nur auf Platz 8, McLaren, Maserati, SRT Viper, Nissan GT-R und Corvette, um nur ein paar zu nennen, kommen in der Liste erst gar nicht vor.

Dabei würde schon das Mitfahren in einem 458 Italia zu der Erkenntnis führen, dass das Auto in einer anderen Liga spielt als der Elfer, allein wegen der visuellen Wirkung (außen wie innen) und der Qualität der verarbeiteten Materialien. Und nein, ich bin kein Ferrari-Fan. Es reicht aus objektiv zu sein, um zu diesem Schluß zu kommen! Dasselbe gilt für die Wertung der Luxusklasse, wo ein edler Bentley Continental GT hinter so eher banalen Autos wie Mercedes-Benz CLS, BMW 6er Grand Coupé und dem potthässlichen Porsche Panamera landet! Dass der Fisker Karma noch nicht einmal auf der Liste der Fahrzeuge mit Elektroantrieb steht, dass bei den Cabrios und den Vans nur deutsche Fabrikate aufgeführt sind und echte Geländewagen aus Fernost oder den USA gänzlich fehlen, machen diesen Award endgültig zur Farce.

Kann man es besser machen? Auf jeden Fall hätte man erst einmal ein Konzept auf Kiel legen sollen, mit dem Anspruch eine neue Wertigkeit zu schaffen, einen eigenständigen Award mit dem Nimbus der Einzigartigkeit ausgestattet auf die Schiene stellen müssen. Herausgekommen ist stattdessen ein Abklatsch dessen, was ein Printmedium seit Jahrzehnten praktiziert. Inklusive übernommener Vorab-Subjektivitäten, wie der eingeengte Kreis der zur Wahl stehenden Fahrzeuge. Innovativ geht anders.

Wie gesagt, dieser Award genießt schon jetzt ein Level an Glaubwürdigkeit, den zu erreichen gewisse andere Awards Jahrzehnte brauchten, um sich selbst durch eben solche Subjektivitäten in die Belanglosigkeit abzuwerten. Schade eigentlich. Für mich jedenfalls nur ein weiterer Beweis, was solche Awards wert sind.

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Kommentare
  1. […] ehemaliger TV-Kommentator die Aktion. Auch Bauer unterstellt dem losen Netzwerk der Blogger eine Abhängigkeit, die die Wahl beeinträchtigt habe. Natürlich ist die Wahl in einigen Punkten subjektiv, aber […]

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