Die andere Seite des Felipe Massa (2. Teil)

Veröffentlicht: 2 Dezember 2008 in Formel 1, Grand Prix

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Die erste Ausgabe des Desafio war 2005 kein finanzieller Erfolg. Airton Daré hatte seine Kartbahn herausgeputzt und sogar zwei Fahrer von einer anderen Veranstaltung auf eigene Kosten einfliegen lassen. Paulo Breim hatte die vereinbarten 25 nagelneuen Karts mit Biland-Motoren gestellt, die Show auf der Piste schien gelungen. Doch Felipe Massa und Carlos Romagnolli hatten weder genug zahlendes Publikum angezogen, noch genug Sponsoren aufgerissen. Die Ausgabe 2006 sollte dann besser laufen und die getätigte Investitionen einspielen.


Doch dann kam der damalige Bürgermeister der Stadt Florianópolis, Dario Berger, auf das Duo Massa/Romagnolli und interessierte sich dafür das Event als Touristenattraktion in seine Stadt zu holen. Berger sagte ein gesundes Finanzpolster zu, um dieses Event in den Süden Brasiliens zu holen, die Verhandlungen und später die feierliche Unterzeichnung des Vertrages fanden ohne Wissen von Breim und Daré statt. Davon erfuhren die Beiden erst aus den Medien. „Das hat mich schon sehr enttäuscht“, konstatiert Daré. „Nicht nur, dass ich nach der ersten Veranstaltung in die Infrastruktur der Kartbahn investiert hatte, etwa zusätzliche Tribünen, ich habe auch nie wieder etwas von Felipe gehört.“

Paulo BreimAirton Daré

Breim stösst ins selbe Horn. „Ich habe 25 nagelneue Karts bereitgestellt, die durften nach dieser Veranstaltung natürlich nicht verkauft werden, sondern sollten für das Folgejahr aufbewahrt werden.“ Es stellt sich die Frage: Gab es denn keinen Vertrag unter den Parteien? Daré: „Die Verträge waren ausgearbeitet und lagen zur Unterschrift bereit. Doch Felipe wurde stets abgeschirmt, war immer hektisch unterwegs und so ergab sich nie ein ruhiger Moment, um den Vertrag zu unterschreiben.“ Breim bestätigt diese Version, findet das aber nicht entscheidend. „Es ist ein mündlicher Vertrag, der ist ebenso verbindlich. Es handelt sich um einen Vertrag über drei Jahre, das erste Jahr war immer als ein Jahr der Investitionen gedacht, in den beiden Folgejahren sollte dann der Profit erwirtschaftet werden.“

Doch Massa/Romagnolli zogen nicht nur von Darés Kartbahn weg in den Süden, sie vergaben auch den Auftrag für die Karts an einen anderen Lieferanten. Also doppelter Vertragsbruch. Daré zog ernüchtert einen Strich unter die Angelegenheit und will den Namen Felipe Massa heute eigentlich lieber nicht mehr hören. Was ihn am meisten ärgert: „Jemand wie Felipe sollte ein Vorbild für unsere Jugend sein, er sollte auch Abseits der Pisten mit gutem Beispiel vorangehen. Ich bin von seinem Benehmen sehr enttäuscht.“ Enttäuscht dürften auch die jungen Kart-Asse Brasiliens sein, denn fünf Startplätze im Desafio sollten per Ausscheidungs-Wettfahren unter den besten Kartpiloten des Landes ausgemacht werden und so dem ohnehin gebeutelten Nachwuchs Brasiliens eine Chance geben, sich bei einer attraktiven Veranstaltung einem grossen Publikum zu zeigen.

Money, Money, Money

„Felipe hatte mir zugesagt, dass er beim Finale dieser Auswahl zugegen sein würde.“ Das hätte dem Nachwuchssport gut getan, letztlich auch neues Publikum an die Kartbahn gebracht und damit der Kartbahn Umsatz. Mit dem Abzug der Veranstaltung gen Süden wurde auch dieser Plan zerstört. Verlierer sind Daré und die Nachwuchs-Piloten. Hauptsache die Kasse klingelt bei Massa/Romagnolli. Anders als Daré will sich Breim nicht mit der Enttäuschung und Frustration abfinden, stellt sich auf die Hinterbeine und hat vor Gericht geklagt. „Es geht nicht um die 130.000 Reais, die ich für Karts, Motoren und Ersatzteile vorlegte, mir sind 600.000 Reais Schaden entstanden.“

Breim macht also vor Gericht über 200.000 Euro Schaden geltend, denn er hatte das gesamte Material, wie vereinbart, für die zweite Ausgabe des Events eingelagert. Schlimmer: Breim hatte zudem für das Folgeevent einen Sponsor aufgetrieben, dem er dann peinlicherweise absagen musste, weil seine Partner Massa/Romagnolli vertragsbrüchig wurden und die Grundlage entzogen. Als die Geschichte an die Oberfläche kam, erklärte der Formel 1-Pilot, er habe von der Abmachung nichts gewusst. Eine in der Tat bemerkenswerte Aussage, nahm doch dessen Vater, Antonio Massa, an allen Verhandlungen zwischen den Parteien teil. „Nicht nur war Titonio stets bei den Gesprächen zugegen, er war es auch, der das Vertragswerk überbrachte“, so Breim. Und, dass Vater und Sohn Massa nicht über die dort getroffenen Absprachen bzw. Inhalte des fertig formulierten Vertrages gesprochen haben wollen, scheint doch recht unwahrscheinlich.

Father and son Massa

Selbst wenn es so gewesen sein soll, warum hat das Ferrari-Ass nicht sofort reagiert und die Angelegenheit mit Daré und Breim aus der Welt geschafft? Es stellt sich überhaupt die Frage: Warum setzt sich ein Vizeweltmeister und Formel 1-Topverdiener einem solch fragwürdigen Vorgang aus? Die hier geschilderten Vorwürfe sind nicht neu, ich habe sie bereits vor einem Jahr in der brasilianischen Ausführung dieses Blogs veröffentlicht, Massa hat sich den Vorwürfen nie gestellt. Er hat sich bis heute bei keinem der Geschädigten gemeldet und schweigt zu den Anschuldigungen. Massas Pressesprecher liess wissen „Felipe schuldet niemandem Geld.“ Was die rechtlichen Belange betrifft, wird zumindest Breim ihm das Gegenteil zu beweisen suchen. Und moralisch? Steht Felipe Massa da auch nicht in der Schuld…? In der Heimatstadt der Massas, in Botucatu, sollen zahlreiche Geschäftsleute gar nicht gut auf den Namen Massa reagieren, heisst es.

Das Ganze wirkt wie eine abgekartetes Spiel, eine billige Gaunerei. Was in einem Land wie Brasilien, wo der Verfall der guten Sitten nicht erst seit diesem Vorfall beklagt wird, wiederum nicht allzu sehr überrascht. Dass sich ein in der Öffentlichkeit stehender Sportler, ohne mit der Wimper zu zucken, mit solch einer Abzocke in Verbindung bringen lässt, stimmt scheinbar nur ausserhalb Brasiliens nachdenklich. Zumindest bis zum vergangenen Wochenende.

Teil 3 am Mittwoch

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Kommentare
  1. […] der in Teil 1 und Teil 2 geschilderten Vorgeschichte im Gepäck reist Felipe Massa nach Florianópolis, um auch die 2008er […]

  2. Klaus Auge sagt:

    Alles was da drin steht ist völliger Schwachsinn . Bitte glaubt nicht alles was im Internet steht

  3. MAB sagt:

    Mein Lieber, ich bin seit 1985 Motorsport-Journalist, habe brasilianische Wurzeln und habe zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels auch in Brasilien gelebt. Der Artikel ist vor Ort recherchiert und fundiert zusammengetragen.

    Vater und Sohn Massa kennen den Artikel übrigens, da er in mehreren Sprachen (übrigens auch in Deutsch) veröffentlicht wurde. Der Alte schaut mich immer ganz böse an, wenn ich in der Ferrari-Hospitality aufkreuze. Sie schweigen – im Gegensatz zu den Geschädigten – bis heute dazu und werden wohl auch wissen, warum.

    In einem gebe ich dir Recht, „Klaus Auge“: Man darf nicht alles glauben, was im Internet steht. Am allerwenigsten den eingestreuten Kommentaren von notorischen Besserwissern, die ein Formel 1-Fahrerlager nur durch die RTL-Kameralinse kennen und ihr Viertelwissen dafür mit „Künstlernamen“ verbreiten! Gell, Fritz? Oder wie auch immer dein tatsächlicher Name sein mag…

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