Die andere Seite des Felipe Massa (1. Teil)

Veröffentlicht: 1 Dezember 2008 in Formel 1, Grand Prix

Santa Catarina 11/2008

Motorsport-Fans kennen Felipe Massa als Ferrari-Piloten aus der Formel 1 und viele sympathisieren mit dem Brasilianer nach dem knappen Verlust des WM-Titels 2008 gegen Lewis Hamilton in der allerletzten Kurve. Die allerwenigsten Fans kennen die andere Seite des Felipe Massa, ein Mann, der mit zweifelhaften Moralvorstellungen ein denkbar schlechtes Vorbild für die Jugend eines Landes darstellt, das ohnehin seit Jahrzehnten immer tiefer im Sumpf der Korruption steckt. Das jüngste Beispiel lässt nun langsam auch im sportverrückten Brasilien Kritik gegen das vermeintliche Nationalidol laut werden. Nichts, was mit ein paar Marketing-Schachzügen nicht wieder repariert werden könnte. Oder?


Man stelle sich das einmal vor: Da muss im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina nach monatelangen heftigen Regenfällen der Notstand erklärt werden, 114 Tote sind zu beklagen und mit Dutzenden von Vermissten droht die Zahl weiter zu steigen. Über 78.000 Menschen wurden obdachlos und wer sein Haus nicht in den Fluten verlor, muss ohne Elektrizität und Wasserversorgung klarkommen. Anderthalb Millionen Menschen sind mehr oder weniger hart von den Widrigkeiten betroffen.

Santa Catarina 11/2008

Städte wie Blumenau, Camboriu, Nova Trento, Gaspar und Rio dos Cedros haben den Ausnahmezustand ausgerufen, sind von der Aussenwelt isoliert, Orte wie Brusque, Ilhota and Tijucas stehen kurz davor. Blumenau, die Hochburg der Deutschstämmigen, ist zerstört, Niederschläge achtmal über dem Durchschnittswert stürzten die Stadt ins Chaos. In der Hafenstadt Itajaí plünderten ausgehungerte Bürger die Supermärkte, als der Wasserpegel endlich wieder auf halbwegs erträgliches Niveau sank. Nun frage ich: Würden Sie inmitten eines solchen Szenarios eine „ich will Spass, ich geb Gas“-Veranstaltung durchführen? Felipe Massa tat das am vergangenen Sonntag.

Es ist nicht das erste Mal, dass dieses sogenannte Benefiz-Kartrennen, dessen ideeller Vater Felipe Massa ist, für mächtig Ärger hinter den Kulissen sorgt. Und wie immer geht es ums liebe Geld. An und für sich ist die Idee ja großartig, zu Saisonende Asse aus dem brasilianischen und internationalen Motorsport zusammen zu trommeln um den Fans ein bissl Unterhaltung auf der Piste zu bieten. Und sei es mit Karts. Massa betont ja immer wieder gerne, sein Desafio Internacional das Estrelas – Felipe Massa e convidados (Internationale Challenge der Stars – Felipe Massa und Gäste) sei ein Event, um ausgelassen Spass auf der Piste zu haben. Nun ja, oberflächlich mag das schon so sein. Es steckt aber schon mehr dahinter. Und wenn es ums Geld geht, gelingt es Massa einfach nicht, über seinen eigenen Schatten zu springen.

Miguel Costa Jr.

Es begann alles 2004, als sich der Ferrari-Pilot mit Supercross-Promoter Carlos Romagnolli, Ex-IRL-Pilot und Kart-Streckenbesitzer Airton Daré und Kart-Importeur Paulo Breim zusammensetzten und eben genau diese Idee zu Ende formulierten. Romagnolli würde sich um Planung und Ausrichtung kümmern, Daré die Infrastruktur bereitstellen, Breim ein komplettes Startfeld an nagelneuen Karts. Massa würde seinerseits seine Kontakte zum TV-Sender Globo nutzen, um die Live-Übertragung des Events zu sichern. Gesagt, getan, 2005 ging die erste Ausgabe wie geplant über die Bühne und mit Daniel Serra (Sohn von Chico Serra) verblies ein Nachwuchstalent die Stars. Doch dann kam alles ganz anders, als es vereinbart war.

Teil 2 am Dienstag

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Kommentare
  1. […] der in Teil 1 und Teil 2 geschilderten Vorgeschichte im Gepäck reist Felipe Massa nach Florianópolis, um auch […]

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